Unterwegs mit Kind auf dem Rücken

Vorgeschichte

Wir sind viel unterwegs. Wir lieben das Reisen. Wir lieben die Freiheit.
Und für uns war klar, Zofia wird immer mit dabei sein. Für uns war ebenfalls klar, dass die wenigsten unserer Reiseziele für Kinderwagen kompatibel sind. Sei es aufgrund der Beschaffenheit (siehe Straßen in Trinidad, Kuba) oder sei es aufgrund der Aktivität, wie zum Beispiel Wandern.
Was ist dafür also unabdingbar? Richtig, ein Tragesystem.

Von Geburt an wurde Zofia getragen und hat dies auch geliebt. Für die ersten Monate hatten wir einen Tragegurt von Ergobaby und waren damit mehr als zufrieden. Doch diese Systeme haben natürlich ihre Limits. Zum einen wird das Kind irgendwann zu groß um vorne getragen zu werden, es fühlt sich dann eher eingeengt, und zum anderen möchte das Kind recht schnell mehr sehen als nur die Brust / das Gesicht des Trägers (es gibt zwar Tragegurte, in denen das Kind nach vorne gerichtet getragen werden kann, wer seinem Kind Gutes tun möchte, tut dies nicht). Dies war bei uns ungefähr mit 1,5 Jahren der Fall.

Wie geht es also danach weiter? Ab hier gibt es Tragesysteme, welche man auf dem Rücken trägt. Das Kind sitzt höher und hat insgesamt mehr Bewegungsfreiheit. Wie auch schon bei den Tragegurten für Babies ist die Auswahl an Rückentragen, bzw. Kraxen sehr groß.

Kraxe
älteres Modell einer Kraxe

Ehrlich gesagt hatte ich bis vor kurzer Zeit noch ein absolut veraltetes Bild von Kraxen. Das Bild, welches ich vor meinen Augen sah, wenn ich an das Wort Kraxe dachte, war wie rechts abgebildet. Bereits beim Anblick spürte ich die Rückenschmerzen, den extremen Diskomfort für das Kind, allgemeiner Unsicherheit und ganz besonders eine schwindende Lust auf das Tragen.

 

Moderne Kraxen

Doch bereits ein kurzer Blick in die Weiten des Internets unter dem Suchbegriff „Kraxe“ eröffnete eine ganz neue Welt. Plötzlich konnte ich es kaum erwarten, mit Zofia auf dem Rücken zu reisen. Allerdings war ich auch schnell ähnlich wie bei den Autositzen etwas überfordert mit der Fülle an Informationen, Innovationen und Versionen der Kindertragen. Um mir die Suche etwas einfacher zu gestalten, habe ich mich diesmal nur auf eine handvoll führender Marken konzentriert, da man dort von guter Qualität und einem großen Erfahrungsschatz ausgehen kann: Deuter, Vaude, Osprey und Thule.
Weiterhin habe ich versucht, die wichtigsten Kriterien aus den Produktbeschreibungen herauszufiltern und gegenüberzustellen. Ausschlaggebend waren für mich Komfort des Kindes, Komfort des Trägers und Stauraum.
Ich muss sagen, dass ich mich dieses mal mit der Entscheidung relativ leicht getan habe. Es war recht früh klar, dass es eine Kindertrage von Deuter wird, da ich gemerkt habe, dass Deuter für ihre Tragen das gleiche Tragesystem verwendet, wie es auch bei den Trekkingrucksäcken zu finden ist. Und da mein großer Trekkingrucksack von Deuter extrem angenehm ist zu tragen, selbst bei schwerer Last, wird dies auch bei einer Kindertrage so sein. Deuter bietet drei verschiedene Kraxen an: Aircomfort, Kid Comfort 2 und Kid Comfort 3. Die Reihenfolge der Auflistung entspricht dem Anspruch an die Trage. Während die Aircomfort auf kleinere Ausflüge und Spaziergänge ausgelegt ist, ist die Kid Comfort 3 eher etwas für anspruchsvollere Unternehmungen. Die Kid Comfort 2 liegt in der Mitte.
Jedes der Modelle wird ständig weiterentwickelt, wobei die Neuerungen die Kraxen sowohl von Qualität, als auch vom Komfort her teilweise sehr aufwerten. So hat Deuter in der neusten Version des Kid Comfort 3 Fußstützen für das Kind angebracht, was es so bei noch keiner Trage gab. Diese sind sehr hilfreich, dazu aber später mehr.

Unabhängig von meiner „Deuter-Vorbelastung“ habe ich mir noch Erfahrungsberichte und Meinungen zu den Tragen angeschaut. Das Ergebnis meiner Recherche: Die Deuter Kid Comfort 3 gilt als das Non-plus-Ultra unter den Kindertragen. Sie bietet so ziemlich alles, was man sich nur wünschen kann. Sie hat natürlich auch ihren Preis, aber wissend, dass wir die Trage sehr oft und auch über lange Zeit nutzen werden, sollte sie ein Maximum an Qualität und Komfort bieten (sowohl für den Träger, als auch für das Kind). Wir haben uns daher dazu entschieden, die Kid Comfort 3 zu bestellen.

Shops, die Kindertragen vertreiben, gibt es wie Sand am Meer. Wir haben uns für den Online-Shop des Geschäftes Höll-Sport in Radolfzell am Bodensee (gehörend zum Sportfachhandel-Einkaufsverband Sport2000) entschieden, da es dort den besten Preis gab und wir von vorherigen Einkäufen einen guten Service gewohnt sind. Die Bestellung war einfach und die Lieferung erfolgte noch am gleichen Tag. Gut verpackt kam die Trage bei uns an und wir werden auch in Zukunft wieder dort bestellen. Wir können den Shop nur weiterempfehlen.

Nach dem Auspacken wurde die Kraxe glücklicherweise direkt von Zofia akzeptiert und sie wollte sofort hineinklettern. Zu meinem ersten Eindruck reichen zwei Wörte: wertig und durchdacht.
Im Folgenden gibt es eine Beschreibung der Trage und anschließend einen Erfahrungsbericht, welcher auf unserer Georgienreise basiert. Dort konnten wir die Trage auf Herz und Nieren testen.

Deuter Kid Comfort 3 – Fakten

Die Deuter Kid Comfort 3 ist so gut durchdacht, dass es schon fast unheimlich ist. Es bleiben fast keine Wünsche offen.

Zum Komfort für den Träger:

  • Ausgestattet mit dem Aircontact System wir der Rückenkontakt mit der Trage verhindert, welches für optimale Belüftung des Rückens sorgt.
  • Die Tragegurte können über das verbaute Vari Fit System einfach, schnell und stufenlos in der Höhe verstellt und somit perfekt an die Rückenlänge des Trägers angepasst werden. Sie sind zudem gut gepolstert und außerdem mit einem Brustgurt versehen, wie man das von Deuter kennt.
  • Der Hüftgurt ist extrem gut gepolstert und überträgt den Großteil der Last sehr gut auf die Hüften ohne dabei einzuschneiden. Er ist außerdem mit dem Vari Flex System ausgestattet, womit die „Festigkeit“ der Hüftflossen beeinflusst werden kann. Bei leichteren Lasten kann es etwas lockerer eingestellt werden, was der Trage mehr Flexibilität gibt. Bei schweren Lasten und einer engeren Einstellung liegt die Kraxe optimal an.
  • In einer der Hüftflossen befindet sich ein Spiegel, mit welchem man das Kind immer im Blick hat.

Zum Komfort für das Kind:

  • Das Kind sitzt sehr komfortabel. Das hat hauptsächlich zwei Gründe:
    1) Die Sitzfläche ist variabel in seiner Breite, abhängig von der Sitzhöhe, als wiederum abhängig vom Alter des Kindes. Kleine Kinder noch recht hoch, hier ist die Sitzfläche sehr breit und unterstützt die Anhock-Spreitzhaltung. Die Höhe der Sitzfläche kann stufenlos eingestellt werden und wird mit dem Wachsen des Kindes weiter abgesenkt. Dadurch wird die Sitzfläche gleichzeitig etwas schmaler, was komfortabler für ältere Kinder ist.
    2) Die neuste Version der Kid Comfort 3 ist als fast einzige auf dem Markt mit Fußstützen ausgestattet. Wieso das noch nicht früher und von anderen Marken erkannt wurde, ist mir ein Rätsel. Denn die Fußstützen verhindern ein Einschlafen der Beine, die ja sonst nur herunterbaumeln. Mit den Stützen aber stehen die Beine gesund auf etwas auf. Außerdem sind sie beweglich, was dazu führt, dass das Kind die Beine ständig bewegt. Das Vorhandensein der Fußstützen (welche übrigens ebenfalls stufenlos an alle Größen angepasst werden können) war einer der Hauptpunkte, warum wir uns für diese Trage entschieden haben.
  • Die Kraxe ist mit einem eingebauten Sonnendach ausgestattet, wechlches bei Nichtbeutzen komplett in der Trage verschwindet. Aufgebaut ist es sehr groß und bietet guten Sonnenschutz selbst bei tiefstehender Sonne. Auch gegen leichten Regen kann man sie verwenden.
  • Vorne befindet sich eine Ablage für das Gesicht des Kindes. Im Gegensatz zu anderen Tragen und auch erst in der neuen Version vorhanden, ist die Ablage ein richtiges Kissen, dick, schön weich und sehr komfortabel. Zum Waschen kann man das Kinnkissen einfach abmachen.
  • Die Trage lässt sich auf eine der zwei Seiten öffnen und ermöglicht so ein sehr angenehmes Einsetzen des Kindes. Wenn das Kind groß genug ist, kann es dadurch sogar selber ein- und aussteigen.
  • Selbst die Gurte für das Kind sind sehr gut gepolstert, flexibel einstellbar (auch hier wieder stufenlose Höheneinstellung für den Gurtansatz hinter den Schultern) und mit Brustgurt ausgestattet.

Allgmeines:

  • Der Stauraum ist wirklich sehr groß und vielfältig (18L), und kann gut gefüllt werden, ohne dabei den Schwerpunkt nach hinten zu verlagern. Es gibt unter dem Sitz des Kindes ein sehr großes Fach, in das unerwartet viel passt. Darüber hinaus gibt es rund um die Trage viele weiterer Fächer, in denen so einiges verstaut werden kann (siehe Packliste weiter unten).
  • An der Vorderseite gibt es ein Fach, welches für Trinkblasen ausgelegt ist. Sollte man aber keine Trinkblase verwenden, passt dort auch gut anderes rein, z.B. Wechselkleider.
  • Die Trage hat einen Fuß, welchen man für einen sicheren Stand ausklappen kann.
  • Separat erhältlich gibt es eine Regenhülle, welche die komplette Trage inkl. Kind vor Regen schützt.
  • Insgesamt wiegt die Kraxe 3,5kg. Damit siedelt sie sich im oberen Mittelfeld an.

Erfahrungsbericht

Theoretisch ist unsere Trage also schonmal mit allem ausgesatttet, was man sich wünscht.
Doch was taugt sie nun im eigentlichen Gebrauch? Wird gehalten was versprochen wird? Sitzt das Kind tatsächlich komfortabel? Lassen sich längere Touren bewältigen? Wie viel kann man zusätzlich einpacken?

All dies konnten wir auf unserer letzten großen Reise überprüfen. Auf der Reise durch Georgien, von der Altstadt in Tiflis über die Strände vom Schwarzen Meer bis in den tiefsten Kaukaus, kam die Kraxe fast täglich zum Einsatz. Zu bewältigen gab es dabei die unterschiedlichsten Gelände: einfache Wanderungen auf flachen Wegen, Spaziergänge durch kleine Gassen, Aufstiege in steilem Gelände, Wanderungen durch den großen Kaukausus, oder gar die Erkundung von Höhlen.

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Die Kid Comfort 3 hat die Prüfung mit Bravour bestanden! Zofia sitzt auch heute noch gerne darin und auch ich trage sie gerne. Es scheint also angenehm zu sein. Es gab zwar öfters die Situation, dass Zofia nicht in die Trage wollte, das aber nur, wenn das ganze Geschehen rundherum viel zu interessant war um nur von oben zuzuschauen.

Bevor man das Kind einsetzt, sollte man die Trage leer aufsetzen und auf seine Körperform optimal anpassen. Erst dann kommt das Kind: Das Einsetzen des Kindes ist sehr angenehm. Zunächst klappt man das Standbein aus und kann zur Sicherheit seinen Fuß darauf stellen. Nach dem Lockern beider Seiten kann man das Kind einfach Hineinsetzen und bereits den Brustgurt schließen. Eine optimale Sitzposition erreicht man, wenn man das Kind an den Oberschenkeln ein wenig anhebt. Es rutscht somit etwas nach vorne und die Last liegt ist weniger auf den Schritt konzentriert. Ohne das Kind jetzt anzugurten, sollte man zunächst (beim ersten mal) die richtige Sitzhöhe einstellen. Dazu nimmt man das Kinnkissen ab und stellt die Höhe so ein, dass das Kinn auf Höhe der Einstellschnalle ist. Das Einstellen geht am einfachsten, wenn man den Sitz vorher ganz tief einstellt und dann über die Schlaufe und mit Unterstützung die Sitzfläche bis zur richtigen Höhe anhebt. Jetzt schließt man den Gurt, stellt die Füße des Kindes in die Fußschlaufen und schließt den Sitzbereich. Nun nur noch die Trage selber auf den Rücken setzen, Standfuß einklappen und los geht’s.

Von dem Stauraum war ich besonders beeindruckt. Hier mal eine Liste, was ich alles in der Trage untergebracht habe:

  • Natürlich Zofia
  • Wickeltasche (Wickelunterlage, Pampers, feuchte und trockene Tücher, Creme, Puder)
  • Komplette Ersatzkleidung für Zofia (je 2 Strumpfhosen, Hosen, Bodies, Tshirts, Strümpfe, eine Mütze, einen Pulli, eine Jacke, ein paar Schuhe)
  • Regencapes für Justyna und mich
  • Pullover für Justyna und mich
  • Erste-Hilfe-Tasche
  • Sonnencreme, Mosquitospray
  • Trinken für sowohl uns, als auch Zofia
  • Snacks für uns
  • Essen für Zofia (Gläser, Obst, rohes Gemüse, Kekse)

Das Wandern mit der Trage ist wunderbar, das Gewicht wird sehr ausgeglichen verteilt, wobei der Hauptteil auf den Hüften lastet, so wie es sein soll. Durch die vielen Einstellmöglichkeiten kann man die Kraxe an seine Körperform anpassen und dadurch saß sie bei mir schön streng an. Das beste dabei ist, dass obwohl ich sie recht streng angelegt habe, ich nicht einmal wegen der Kraxe geschwitzt habe. Natürlich schwitzt man generell, aber der Rücken z.B. schwitzt durch das Tragen nicht mehr als normal auch. Davon war wich wirklich beeindruckt.
Des Weiteren spürt man zwar die Bewegungen des Kindes, aber alles sitzt so gut, dass man dadurch nicht so schnell aus dem Gleochgewicht gerät. Richtig eingestellt schaukelt die Kraxe nicht unkontrolliert am Rücken umher, sondern folgt lediglich meinen Bewegungen.

Zofia hatte dort oben wirklich Spaß, da sie die Umwelt aus gleicher Perspektive wie wir sehen konnte. Selbst mit Sonnendach, was man bei Sonne wirklich anwenden sollte, hatte sie eine gute Sicht. Dennoch sollte man immer wieder kurze Pausen einlegen, damit sich das Kind etwas bewegen kann. Langes Sitzen ist generell nicht gut, auch nicht zu Hause oder im Auto. Nicht selten fand es sie so bequem, dass sie eingeschlafen ist. Und hier waren wir sehr froh um das schöne, große Kinnkissen. Denn Zofia hat einfach mit ihren Armen überkreuz ihren Kopf auf das Kissen abgelegt und geschlafen. Es sah sehr komfortabel aus und auch nach dem Aufwachen hat sie einen recht ausgeruhten Eindruck gemacht.

Mehr Berichte über Georgien folgen bald. Sollten noch irgendwelche Fragen bzgl. Kraxen und im Speziellen der Kid Comfort 3 offen sein, kannst Du uns gerne jederzeit kontaktieren.

Deuter Kid Comfort 3
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Deuter Kid Comfort 3 – der beste Beweis für den Komfort der Trage

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Post Author: lovetravellingfamily

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